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Die Qualität liegt in den eigenen Händen

(Fördermaßnahme Diversifizierung)

Apfelsaft wird im Hofladen von Fam. Zeller in 5-l-Paketen angeboten. Bildquelle: Martina Stock



Streuobstwiesen prägen viele Landschaften Baden-Württembergs. Sie durch Nützen zu schützen ist Robert Zeller und seiner Familie aus Aalen-Hofen am Fuß der Ostalb ein großes Anliegen. Gerade deshalb setzt er in seinem Hauptbetrieb auf eine Mosterei. Hier auf dem Haldenhof presst er Obst von den Streuobstwiesen- und Gartenbesitzern von der Ostalb zu schmackhaftem Saft und bietet verschiedene Produkte daraus an. Viele Streuobstwiesenbesitzer in der Region schätzen es zudem, ihren eigenen Saft aus ihren mitgebrachten Äpfeln mit nach Hause zu nehmen.

Robert Zeller übernahm nach landwirtschaftlicher Lehre und Landwirtschaftsstudium 1997 den gemischten Betrieb seines Vaters. Dieser hielt Kühe und Rinder, baute Weihnachtsbäume an und presste schon mehrere Jahrzehnte Apfelsaft im Lohn. Der Agraringenieur fällte bei der Übernahme die Entscheidung, die landwirtschaftliche Tierhaltung im Betrieb zunächst zu verkleinern und dann aufzugeben. Lediglich Pferde züchten er und seine Familie noch, dies jedoch mehr als Hobby und weniger zum Erwerb. Robert Zeller stellte seinen Betrieb in den folgenden Jahren nach der Hofübergabe auf verschiedene Standbeine: die Betriebszweige Mosterei und Saftvermarktung, die Anlage und den Verkauf von Weihnachtsbäumen sowie die Garten- und Landschaftspflege. Unterstützt mit Fördermitteln nach der Landschaftspflegerichtlinie pflegt er beispielsweise die Wiesen und Obstbäume an den Hängen unterhalb von Schloss Ellwangen und der Kapfenburg bei Lauchheim.

Anschaffung einer neuen Abfüllanlage

Insbesondere im Mostereibereich und der Vermarktung der Streuobstprodukte sah der Betriebsleiter die Möglichkeit, sich ein dauerhaftes Standbein aufzubauen. Erfahrungen im Mostereiwesen brachte er vom elterlichen Betrieb mit, die er in Lehrgängen vertiefte. Allerdings entsprach die alte Obstpresse im Betrieb nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik, weshalb er die alte Mostpresse durch eine neue Presse ersetzte. 2008 nahm er dann erstmals einen Umbau einer Scheune in eine Mosterei auf seinem Hof vor, erstellte ein Obstlager und investierte in den Kauf einer Pasteurisier- und Bag-in-Box-Abfüllanlage. 2011 fiel dann die Entscheidung, die Tierhaltung und die Färsenaufzucht komplett aufzugeben und den ehemaligen Kuhstall umzubauen. Ein Hofladen wurde gebaut und 2012 durch Veranstaltungsräume ergänzt, in denen z.B. Seminare für bis zu 40 Personen oder auch größere Feiern für bis zu rund 120 Personen durchgeführt werden können. Dafür nahm der Betriebsleiter Förderung aus dem Förderprogramm Diversifizierung in Anspruch, auf das er eher zufällig aufmerksam wurde. Die Diversifizierung der landwirtschaftlichen Erwerbstätigkeit hat zum Ziel, zusätzliche Einkommensquellen im ländlichen Raum aus selbständiger Tätigkeit zu schaffen und die Wirtschaftskraft im ländlichen Raum zu erhalten. Weil dies der Stärkung des ländlichen Raums dient und damit zu den Zielen der Europäischen Union gehört, beteiligt sich der Europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) an der Förderung im Rahmen des Maßnahmen- und Entwicklungsplans Ländlicher Raum Baden-Württemberg 2007-2013 (MEPL II) an der Finanzierung.

Um die Bedingungen der Förderung abzuklären, setzte sich Robert Zeller mit der Unteren Landwirtschaftsbehörde im Landratsamt Ostalbkreis in Ellwangen in Verbindung und wurde dort auch beraten. Für den Antrag hat er eine detaillierte Projektplanung erstellt und dazu die betrieblichen Ist- und Planzahlen aufbereitet. So vorbereitet gab er den ersten Förderantrag im Jahr 2008 ab, der innerhalb weniger Monate vom Regierungspräsidium Stuttgart positiv beschieden wurde. So konnte er die geplanten Baumaßnahmen innerhalb der anvisierten Zeit verwirklichen und die ersten Äpfel wie geplant im darauffolgenden Spätsommer in der neuen Anlage zu Saft pressen. Für die Folgeinvestitionen, die verschiedenen Um- und Anbaumaßnahmen nahm er ebenfalls die Diversifizierungsförderung in Anspruch.

Regionale Vermarktung an verschiedene Einzelhändler

Ab dem Spätsommer nimmt Robert Zeller Obst an, das er zu Saft presst und über seinen Hofladen und verschiedene Einzelhändler im Großraum Aalen sowie in kleinem Umfang auch über einen Internetshop verkauft. Aus den angelieferten Partien stellt er verschiedene Produkte her zur Direktvermarktung in seinem Hofladen und bei Einzelhändlern im Umkreis von rund 30 km: den Hofmost, den Hofsaft und den Ostalb-Secco. Den Hofsaft vermarktet er auch in Mischungen wie zum Beispiel Apfel-Kirsch oder Apfel-Holunder. Zwar hat sich Zeller keiner Aufpreisinitiative angeschlossen, trotzdem würdigt er die Bemühungen der Sammler und zahlt ihnen deshalb regelmäßig einen Aufpreis gegenüber den Marktpreisen – beispielsweise auch für die Anlieferung von sortenreinem Obst für die Herstellung seines DLG-prämierten Ostalb-Secco.

Robert Zeller presst überdies für Streuobstwiesenbesitzer aus der Region. Fleißige Stücklesbesitzer aus der Region bringen ihre Äpfel oder Birnen von ihren Wiesen zu ihm und lassen sie zu Saft pressen und in 5 l- oder 10 l-Saftpakete, den sogenannten Bag in Box, abfüllen und nehmen diesen als „Mein Saft“ dann auch wieder mit nach Hause. Rund 50 % der angelieferten Obstmenge geht so als Saft direkt zurück zu den Sammlern. Dieses Angebot nahmen neben Privatpersonen auch Kindergärten und Schulen an, indem sie in Projektwochen Obst aufsammelten und die Verarbeitung bis zum Endprodukt Saft begleiteten. Zeller hat erreicht, das Bewusstsein seiner Lieferanten dahingehend zu steigern, nur gute Ware abzuliefern. Wer will schon Saft aus faulen Äpfeln mit nach Hause nehmen?

Der Betrieb ist in den vergangenen Jahren so gewachsen, dass inzwischen neben seinen Familienangehörigen auch fest angestellte Beschäftigte im Betrieb mitarbeiten. Gerade in der Hochsaison des Obstpressens beschäftigt Robert Zeller darüber hinaus auch Saisonkräfte, u.a. auch Flüchtlinge, die im nahen Aalen wohnen.

Autorin: Martina Stock/LEL (03/2018)

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